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Ich habe jahrelang unter Panikattacken und schweren Angstzuständen gelitten. Sie kamen nicht einfach so, sondern entwickelten sich begleitend mit einer völligen Überforderung. Panikattacken können verschiedene Auslöser haben. Bei mir waren es traumatische Erfahrungen am Arbeitsplatz, die mit wiederholter körperlicher Gewalt einhergingen. Lange Zeit konnte ich nicht verstehen, was mich so überfordert, habe versucht, stark zu sein und keine Schwäche zu zeigen. Doch der Leidensdruck war irgendwann unerträglich.
Verschiedene Umstände haben mich dazu veranlasst, mir therapeutische Unterstützung zu holen. Ich durfte lernen, meinen Körper zu verstehen, Einfluss auf mein Nervensystem zu nehmen und bewusster und achtsamer zu werden. Was will mir mein Körper sagen? Außerdem lag der Fokus auf einem gesunden Selbstbild und der daraus resultierenden eigenen Kraft und Leistung: Ich habe bereits alles in mir, um mich da herauszukämpfen. Ich schaffe das!
Und so durfte ich mich meinen Ängsten stellen und mich unter schwerer Anstrengung daraus kämpfen. Das hat auch eine Zeit lang gut funktioniert. Doch nach ein paar Jahren passierte etwas in meinem Leben, das mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Tiefer Schmerz und Verletzung haben mir meine vermeintliche Identität und mein Selbstwertgefühl genommen. Ich habe mich gefühlt, als wäre mein Leben mit voller Wucht gegen eine Mauer geschleudert worden. Ich war völlig zerbrochen und nur noch ein Scherbenhaufen. Alle erlernten Strategien haben nicht mehr geholfen.
Was bringt es mir, meine Nerven zu beruhigen, wenn zeitgleich ein Sturm in mir tobt und ich versinke? In dieser Zeit waren auch meine Panikattacken so stark, dass ich nicht mehr imstande war, alleine Auto zu fahren, nicht alleine einkaufen gehen konnte und selbst ein einfacher Besuch bei einer Freundin sehr lange Zeit für mich nicht mehr möglich war. Es hat mein Leben komplett lahmgelegt.
Ich habe Gott beim Wort genommen
In dieser Zeit habe ich viel über Gott nachgedacht. Ich wusste, Gott ist da und sieht mich, doch ich hatte keine persönliche Beziehung zu ihm. Ich habe geglaubt, dass er eingreifen kann, doch warum tut er es nicht in meinem Leben? Ich war mir sicher, dass Jesus für mich am Kreuz gestorben ist, doch welche Rolle spielte er für mein praktisches Leben?

Ich habe mir Bibelverse herausgeschrieben, die Gott mir verheißen hatte. Ich wollte glauben, dass sie auch heute noch gelten und Gott real in mein Leben eingreifen kann. Diese Vers-Karten hatte ich immer in der Tasche dabei, um mich jederzeit daran zu erinnern.
„Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.“ 1. Korinther 10,13
„Habe ich dir nicht geboten, dass du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst!“ Josua 1,9
„Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.“ Jeremia 29,11
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Johannes 16,33
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Römer 8,38–39
Diese und noch viele weitere Verse habe ich mir jeden Tag durchgelesen. Ich habe Gott mit seinem Wort konfrontiert und ihm gesagt, dass er es verheißen hat und ich glauben will, dass es auch mir gilt.
Gott nimmt mich an der Hand
Während der Zeit der völligen Zerbrochheit und Überforderung wurde ich dann von einer Freundin nach Hause eingeladen. Es klingt banal, doch weil meine Nerven komplett überreizt waren, hat allein schon der Gedanke daran mich überfordert. Ich wusste, ich bin dazu momentan nicht imstande. Ich schaffe es einfach nicht. Doch ein Gedanke ließ mich nicht los: Gott möchte mir gerade jetzt zeigen, dass er mit mir durch diese Überforderung geht.
Ich wusste, ich muss gehen. Und dennoch hat es in mir Panik ausgelöst. Eine Panikattacke zu haben ist nicht dasselbe wie einfach nur Angst zu haben. Sie ist viel intensiver. Es ist nicht einfach nur „Ich habe Angst“, sondern es fühlt sich an wie „Ich sterbe gleich“. Die Panik schaltet alles rationale Denken aus, der Puls läuft auf Hochtouren, die Atmung ist flach und Schwindel kommt dazu, bis hin zu Ohnmachtsgefühlen.

Manchmal fühlt sich eine Panikattacke an wie plötzlich rasende Gedanken, so als würde von jetzt auf gleich der Kopf explodieren – kurz: Alles in mir sagt, hier ist eine große Lebensgefahr und ich muss sofort die Flucht ergreifen. Trotz dessen war mir die Wahrheit Gottes auch bewusst, dass kein Problem zu groß ist, WEIL GOTT MIT MIR GEHT.
Gott hat für mich eine Zukunft, und nichts, aber auch gar nichts auf dieser Welt kann mich von Gottes Liebe trennen. Mit diesem Vertrauen auf Gottes Verheißung bin ich schließlich zu diesem Treffen gefahren. Mein Herz ist mir fast in die Hose gerutscht vor Angst, aber ich habe fest daran geglaubt, dass Gott größer ist als meine Gefühle und dass Gott größer ist als meine Angst. Mein Körper hat mir die ganze Zeit gesagt: „Geh weg, fliehe. Du bist in Gefahr.“ Doch die Wahrheit, die Gott mir geben wollte, war größer.
Ich würde eine Panikattacke beschreiben als den Schrei einer Seele nach Sicherheit, Kontrolle, bedingungsloser Liebe, Annahme und/oder einem sicheren Anker. Und in dieser Hinsicht ist es sogar etwas Gutes. Es spricht zu mir: „HALT! STOP! Es besteht lebensbedrohliche Gefahr.“ Es ist der Schrei eines Körpers, der mir unüberhörbar signalisiert: „Für diesen Schmerz bin ich nicht geschaffen und ich kann so nicht mehr weiter funktionieren.“
Es ist eine Verletzung, zwar oft nach außen nicht sichtbar, aber dafür trägt sie viel tiefer liegende Narben. Selbst wenn die akute Gefahr vorbei ist, hat der Körper unwillentlich etwas gelernt: Bestimmte Menschen, Orte oder Situationen stellen eine lebensbedrohliche Gefahr dar.
Angst ist allgemein ein überlebenswichtiges Alarmsystem des Körpers. Es will mich beschützen und zeigt mir, wo Gefahren lauern. Dabei spielt natürlich eine Rolle, welche Erfahrungen ich bereits im Leben gemacht habe und wie sie mich geprägt haben. Wenn jedoch, wie z. B. durch ein Trauma, einmal wirkliche Gefahr bestand, die unausweichlich zu meinem Schaden geführt hat, dann speichert der Körper diese Erinnerung im Nervensystem neu ab und gibt jedes Mal ein Notsignal, wenn eine ähnliche Situation vorliegt – die Panikattacke.
Dieser „Fehlalarm“ scheint für Außenstehende unbegründet, doch für die Betroffenen kann es fast so sein, als würden sie zurückversetzt zum Zeitpunkt des Traumas – Kontrollverlust, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein. Und um diese Angst und Panik langfristig wieder aufzulösen, brauche ich völlige Sicherheit, ein wirkliches Zur-Ruhe-Kommen in Gott und ein Vertrauen in meinen himmlischen Vater, der ALLES unter Kontrolle hat.
Durch Gottes Liebe getragen
Ich bin als Mensch nicht dafür geschaffen, ohne Gott zu leben. Dafür braucht es nicht erst eine seelische Verletzung, um das zu verstehen. Aber gerade dann, wenn ich Not leide und Angst habe, darf ich wissen: Gott kann seelische Wunden wirklich in der Tiefe heilen und mir dieses Zuhause geben.

Im Laufe des Treffens bei meiner Freundin kehrte eine Ruhe ein, die übermenschlich ist und die nur Gott geben kann. An diesem Tag habe ich etwas ganz Wichtiges gelernt: Meine Gefühle können mir eine falsche Realität vorspielen. Doch ich darf Stück für Stück lernen, der Wahrheit zu glauben und in der persönlichen Beziehung zu Gott die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Denn es hängt nicht von meiner Kraft ab, sondern von Gottes Kraft und Stärke.
Und eines erstaunt mich am allermeisten: Gott ist mir in dieser Zeit persönlich begegnet! Er war nicht einfach nur der gute Hirte aus Psalm 23, sondern er war MEIN guter Hirte. Wenn er mich durch ein dunkles Tal führt, dann nur, weil ER selber an meiner Seite ist.
Als ich das nicht nur mit dem Kopf, sondern auch im Herzen verstanden hatte, war mir auf einmal alles möglich. Mein begrenztes Denken war nicht mehr mein Ausgangspunkt, weil Gott alle Macht besitzt im Himmel und auf Erden. Meine Probleme und meine Angst wurden auf einmal so klein, weil Gott so groß war. Nicht weil ich sie selber bekämpfte, sondern weil der Fokus nicht mehr auf ihnen lag.
Panikattacken können immer wieder auftreten. Schließlich hat mein Körper gelernt, mich unter bestimmten Bedingungen zu schützen. Und ich erlebe sie auch noch. Sie verändern sich nicht immer in ihrer Intensität, aber sie werfen mich nicht mehr so aus der Bahn oder kontrollieren mein komplettes Handeln. Es ist jedes Mal eine Einladung Gottes, in seinem Schoß zur Ruhe zu kommen – ein Ort der Geborgenheit, des Nach-Hause-Kommens, ein Ort des Friedens.
Ich halte mir dann die Zusagen Gottes vor Augen und darf im kindlichen Vertrauen allen Druck loslassen, IHM etwas beweisen zu müssen, und einfach nur Liebe tanken. Ich darf meine Gedanken immer wieder neu ausrichten und von Gott verändern lassen. Zu meinem Körper darf ich sagen: „Danke, dass du mich beschützen möchtest, doch hier ist keine Gefahr mehr.“ Es fühlt sich trotzdem noch schlimm an, aber ich weiß, dass der Glaube nicht von meinen Gefühlen abhängig ist.
Mit jedem Erleben, dass Gott bei mir ist, selbst in der Panikattacke, lernt mein Körper dazu, dass ich bei Gott wirklich sicher bin. Und es ist jedes Mal eine Erinnerung, dass ich in den tiefsten Tälern meines Lebens die größten Begegnungen mit Gott habe. Und dafür bin ich dankbar.
Ich glaube ganz fest, dass Gott alles möglich ist und dass er jedes Leiden beenden kann. Gott ist nicht an mein menschlich begrenztes Denken gebunden. Und dennoch glaube ich an einen souveränen Gott, der sagen kann: „Liebe Johanna, ich möchte dir etwas viel Größeres und Schöneres geben, als alle deine Probleme einfach wegzunehmen. Vertraue mir – Ich liebe dich!“
Genauso, wie ich Gott in der Akutsituation erlebt habe, so darf ich ihn auch im ganz normalen Alltag erleben. Man sagt, dass der Satz „Fürchte dich nicht!“ 365-mal in der Bibel vorkommt – also für jeden Tag des Jahres einmal. Ich habe nicht nachgezählt. Doch eines weiß ich: Wenn die Bibel uns das so häufig sagt, dann weil Gott weiß, dass wir immer wieder Angst haben und wie sehr Angst uns beherrschen kann. Sie will aber auch zeigen, dass Gott eine Lösung für dieses Problem hat.
Trotz Angst in den Urlaub

Es gab eine Urlaubsreise, vor der ich besonders viel Angst hatte. Gemeinsam mit Freunden hatten wir geplant, zuerst mit dem Zug über Berlin nach Warschau zu fahren, ein paar Tage die wunderschöne Stadt zu besichtigen und am Ende mit dem Flugzeug zurückzufliegen. Warum ich Angst hatte, möchte ich im Detail nicht eingehen, weil es eine sehr lange Vorgeschichte hatte.
Doch eines kann ich sagen: Die Angst hatte mich so sehr im Griff, dass ich zwei Tage vorher sogar kurz davor war, die Reise abzusagen. In dieser Situation habe ich zu Gott gebetet und ihm das einfach alles gesagt. Ich habe gesagt, wovor ich Angst habe, welche Befürchtungen ich habe und dass ich nicht für alles eine Lösung weiß.
Als ich dann einige Verse aus der Bibel las, blieb mir Psalm 121,1–2 besonders hängen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat!“ Und so wusste ich, dass Gott mir, egal wo ich bin, jederzeit zu Hilfe kommen wird. Und so betete ich noch, dass Gott mir die Wahrheit zeigen soll, wenn ich vor Angst oder Panik in einem Nebel feststecke – die Wahrheit, dass ich mich nicht fürchten brauche!
Mutig im Vertrauen
Und so sind wir schließlich in den Urlaub gefahren. Es war herausfordernd und dennoch wunderschön. Wir haben die gemeinsame Zeit wirklich sehr genossen und über die Natur gestaunt.
Wie befürchtet kam aber auch der Moment, wo ich eines Morgens völlig gerädert aufgewacht bin, mit einer anhaltenden inneren Unruhe. Ich wusste nicht, wohin mit mir. Die Angst und Sorgen waren auf einmal wieder alle da, und ich wollte nach Hause. Doch das war nicht möglich. Ich bin etwas früher vom Frühstücktisch aufgestanden und habe den anderen gesagt, dass ich mich etwas zurückziehen muss.
Und so schlug ich hilfesuchend wieder meine Bibel auf bei Psalm 84. Ich hatte einen Vers farbig markiert, wo stand: „Sie schreiten von Kraft zu Kraft …“ Kraft brauche ich dann, wenn ich selber müde, überfordert und kraftlos bin. Doch es steht da nicht, dass ich immer voller Power durch den Tag gehen werde. Sondern dieses kleine Wörtchen „zu“ hat mir gezeigt, dass es immer wieder Phasen im Leben gibt, wo ich mich schwach fühle, wo ich Angst habe, die mich lähmen kann. Aber ich werde immer wieder neue Kraft von Gott bekommen.

Und so bin ich aufgestanden, im Vertrauen, dass Gott trotz meiner Angst und Unruhe größer ist und dass er mir Ruhe und Halt schenken wird. Die Unruhe war in dem Moment immer noch da. Ich musste losgehen im Vertrauen. Und ich durfte erleben, dass Gottes Hilfe nie zu spät kommt. Wie ich es tatsächlich geschafft habe, weiß ich bis jetzt nicht. Doch ich habe mich getragen gefühlt und konnte sogar auch an diesem Tag den Urlaub genießen.
Gott hält sein Versprechen
Während unseres Urlaubs kamen wir an einen Platz mit vielen kleinen Wasserfontänen. Durch die Sonnenstrahlen und die vielen kleinen Wassertropfen entstand ein wunderschöner Regenbogen. Er ist mir zum Symbol für diesen Urlaub geworden, weil er mir gezeigt hat, dass Gott sein Versprechen hält und mich nie verlässt oder mit meiner Angst alleine lässt.
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