Der Umzug ins Altenheim – Alex Strunk weiß als Heimleiter worauf es ankommt

Bloß nicht ins Heim? Viele scheuen den Gedanken – doch die Realität überrascht. Warum ein Umzug ins Altenheim oft besser ist als sein Ruf und wie Sie sich optimal vorbereiten. Frühzeitige Information macht den entscheidenden Unterschied.

„Bloß nicht in ein Heim“

Dieser Gedanke begleitet viele ältere Menschen. Solange wie eben möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Doch der Wunsch bis zum Lebensende ohne Pflege und Unterstützung auszukommen, bleibt vielen verwehrt. In Deutschland leben aktuell knapp 6 Millionen pflegebedürftige Menschen, wovon ca. 800.000 in Pflegeheimen wohnen.

Durch eine höhere Lebenserwartung, der Verschiebung der Altersstruktur in der Bevölkerung und ein verändertes Familienbild, wird die Anzahl der pflegebedürftigen und Heimbewohner in den nächsten Jahren zudem weiter ansteigen. 

Schon heute verfügen Altenheime aufgrund der hohen Nachfrage über Wartelisten und ein Umzug ins Heim sollte schon vor dem Ernstfall vorbereitet werden.  

Wer zu lange wartet und dann nach einem spontanen Krankenhausaufenthalt plötzlich einen Pflegeplatz benötigt, muss immer häufiger das erstbeste Angebot notgedrungen annehmen. Es gilt also, dass man sich frühestmöglich informieren sollte und auch innerhalb der Familie das Thema frühzeitig bespricht.

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Die Kosten eines Heimplatzes

Der monatliche Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim liegt im Bundesdurchschnitt aktuell bei ca. 3.100 Euro. Dies ist der Betrag, der vom Bewohner selbst gezahlt werden muss und kann je nach Bundesland oder Heim variieren. Die Pflegekasse zahlt darüber hinaus noch ihren Anteil an das jeweilige Heim. Zur Entlastung der Pflegebedürftigen wurde seit 2022 der gesetzlich geregelte Leistungszuschlag eingeführt.

Die Pflegekassen zahlen je nach Dauer des Heimaufenthaltes einen zusätzlichen Betrag, der den Eigenanteil des Bewohners zusätzlich um einige hundert Euro pro Monat reduziert. Da der Eigenanteil dennoch häufig über den monatlichen Einkünften (z.B. Rente) liegt, müssen viele Heimbewohner die Differenz aus ihrem angesparten Vermögen oder durch den Verkauf ihres Eigenheims finanzieren. Angehörige werden in der Regel nicht zur Kasse gebeten, außer ihr monatliches Einkommen liegt sehr weit über dem Durchschnitt. Wenn die monatlichen Kosten weder aus den Einkünften, noch aus Vermögen oder dem Verkauf einer Immobilie beglichen werden können, zahlt die Sozialhilfe („Hilfe zur Pflege“) die monatliche Differenz. Mehr als ein Drittel aller Pflegeheimbewohner müssen diese staatliche Hilfe mittlerweile in Anspruch nehmen.

© unsplash.com/Jakub Zerdzicki

Pro und Kontra

 Für viele Senioren sind die hohen Kosten ein abschreckender Faktor. Doch die Gegenleistung ist nicht zu unterschätzen und gute Pflege hat ihren Preis. Dass mit dem Einzug in ein Altenheim alle benötigten Hilfestellungen rund um die Uhr durch die Mitarbeiter erbracht werden, entlastet den Betroffenen und dessen Angehörige ungemein. Während man vorher alle Kraftreserven für die Bewältigung des Alltags benötigte, erlebt man in Heimen häufig, dass durch die zusätzliche Hilfe mehr Reserven für andere Dinge frei werden.

Nicht selten leben Senioren in Heimen neu auf und nicht wenige nehmen auf eine neue Art und Weise wieder an der Gesellschaft teil. In den eigenen vier Wänden kann das Leben vorher durchaus einsam geworden sein. Im Zusammenleben mit anderen Senioren, einem bunten Strauß an Programmpunkten und gemeinsamen Tagesabläufen, kann dagegen der Alltag attraktiver werden. Auch der Kopf kann durch die Entlastung frei werden. Im Altenheim darf man alle Verpflichtungen abgegeben. Im eigenen Zuhause denkt man an den großen Garten, der ordentlich gemacht werden muss, den dringend anstehenden Hausputz oder die Schreiben der Versicherung die beantwortet werden müssen. Gleichzeitig hat man ein schlechtes Gewissen, weil man die Kinder erneut für ein einige nötige Arzttermine anfragen muss.

Ob das Leben im eigenen Zuhause somit immer die attraktivere Wahl bleibt, muss individuell hinterfragt werden. Der Umzug in ein Altenheim ist oft durch ein voreingenommenes und verschobenes Bild negativ belegt. Die Darstellung von Altenheimen in unserer Gesellschaft, wie wir darüber denken und reden, ist häufig viel zu einseitig erfolgt. Natürlich gibt es Unterschiede von Haus zu Haus, aber in den meisten der etwa 12.000 Altenheime in Deutschland kann man zufrieden alt werden.

Tipps und Tricks

Sofern ein Umzug in ein Altenheim ansteht, gehen viele Fragen durch den Kopf: Wie läuft ein Einzug ab, was darf ich mitnehmen, wie muss ich mir meine Unterkunft vorstellen und wie hoch ist der bürokratische Aufwand? Um vorab einen Eindruck zu erhalten, ist es durchaus eine Empfehlung sich schon frühzeitig, verschiedene Altenheime anzuschauen. Offene Türen, gesprächige Senioren und freundliche Mitarbeiter laden dazu ein, vorab einen Besuch abzuhalten. Wer im Laufe der Jahre manches Heim kennen gelernt hat, kann sich viel besser vorstellen, was ihn selbst später einmal erwarten könnte. Es ist durchaus vorstellbar, dass man mit der Zeit eine Tendenz entwickelt, und auch manch unbegründete Sorge verschwindet.

Da ältere Menschen in der Regel weniger entscheidungsfreudig sind und gerne vorab wissen möchten, was sie erwartet, sollte man sich ganz unverbindlich vorab informieren.

Eine gewisse Weitsicht macht es allen Betroffenen später leichter.

Als guter Einstieg dient auch die Kurzzeitpflege, die aber aufgrund der enormen Nachfrage im Voraus angefragt werden muss. Für einen definierten Zeitraum zieht man in ein Heim. Im Anschluss geht es dann wieder nach Hause. Die Kurzzeitpflege soll in kurzfristigen Notsituationen helfen, Angehörige entlasten (für Urlaub, Auszeiten oder bei Verhinderung) und auch als „Probe-Wohnen“ dienen. Sofern ein Pflegegrad vorliegt, steht Jedem ein jährliches Budget hierfür von der Pflegekasse zur Verfügung, welches den Großteil der Kosten für den Zeitraum deckt.

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Der Tag des Einzugs

Wenn der dauerhafte Heimeinzug wirklich konkret wird, sind es oft die Angehörigen oder andere Bevollmächtigte, die in Absprache mit der Heimleitung oder den Verwaltungsmitarbeitern den Einzug absprechen. Da Leerstände in Heimen sehr kostenintensiv sind, werden freie Plätze meist innerhalb weniger Tage nachbelegt. Das kann durchaus als stressig empfunden werden, wird aber auch in Zukunft kaum vermeidbar bleiben. In der Regel dürfen kleinere Möbelstücke, Bilder und Dekorationen beim Heimeinzug mitgebracht werden. Das neue Zuhause soll durchaus an das Vergangene erinnern.

Der Großteil der Zimmer in Altenheimen sind Einzelzimmer, die über ein eigenes Bad verfügen. In älteren Häusern kann der Standard aber auch etwas abweichen. Neben den ca. 20qm großen Zimmern, dürfen die Bewohner auch Allgemeinflächen und Aufenthaltsräume nutzen. Der Vergleich der reinen Zimmergröße mit der vorherigen Wohnsituation greift somit zu kurz. Für Ehepaare kann ein Doppelzimmer die passende Wahl sein, wobei je nach Pflegesituation auch zwei Einzelzimmer in Frage kommen können. Bei der Heimaufnahme nehmen sich die Mitarbeiter der Pflege Zeit, um den jeweiligen Bewohner kennenzulernen. Neben medizinischen und pflegerischen Fragen zur Versorgung, Medikamenten, Diagnosen etc. geht es dabei auch um eine Biografiearbeit. Was hat die Person erlebt und geprägt, welche Vorlieben existieren, was mag man gar nicht, ist man Frühaufsteher oder Langschläfer etc.

Die Individualität und das, was jeden einzelnen Menschen auszeichnet soll nicht abgelegt werden, sondern vielmehr erhalten und gefördert werden.

Gleiches gilt für die Selbständigkeit im Alltag und für bestehende soziale Kontakte, die auch über den Heimeinzug hinaus aufrecht erhalten bleiben sollen. Auch wenn es immer einige Wochen oder Monate brauchen wird, bis man sich im neuen Zuhause eingelebt hat und ein Umzug durch die Umstellung für ältere Menschen durchaus belastet sein kann, so trifft man in allen Altenheimen viele zufriedene Senioren, die für ihre aktuelle Situation dankbar sind und den Einzug gut gemeistert haben. Für alle gilt, sich frühzeitig zu informieren und diesen Gedanken reifen zu lassen.

Quellen: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/ _inhalt.html#235894 https://www.ihre-vorsorge.de/finanzen/nachrichten/pflegeheim-zuzahlung-uebersteigen-3-000- euro-marke-im-durchschnitt https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Sozialhilfe/empfaenger-hilfepflege.html https://www.pflegemarkt.com/fachartikel/anzahl-und-statistik-der-altenheime-in-deutschland/

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